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Bodo Ihrke und die gefällten Linden an der Fachwerkkirche in Tuchen

fachwerkkirche-tuchen-linden.jpg1887 hat Emil Kühne, der Großvater von Konrad Polczynski aus Tuchen, drei Linden gepflanzt. Direkt gegenüber der bekannten Tuchener Fachwerkkirche prägten sie fast 120 Jahre lang das Ortsbild des märkischen Dorfes im Barnim. Bäume können manchmal kräftiger sein als marode Mauern, und so haben die drei Linden eine zu nah errichtete Feldsteinmauer beiseite gedrückt. Damit fing eine Provinzposse an und endete, wie sie dümmer nicht enden könnte, nämlich mit der Fällung der drei Linden.

Was hat nun Landrat Bodo Ihrke mit dieser Tragödie und großen Dummheit zu tun?

Im Jahr 2001 stellte ein Anwohner, dem eine baufällige Mauer vor dem Haus mehr wert war als drei herrliche Linden, einen Fällantrag. Sofort regte sich Widerstand im Ort. Die Linden hatten das Pech, an einer Kreisstraße zu stehen, der K6006. Die untere Naturschutzbehörde ließ Protestschreiben einfach unbeantwortet. Konrad Polczynski wandte sich an Landrat Bodo Ihrke, der am 29. Juli 2002 endlich auf die nunmehr siebente Beschwerde antwortete:

ihrke-an-polczynski-2002-1.gif

Klipp und klar – dem Kreis gehören die Bäume und die Bäume bleiben stehen. Ihrkes Schreiben endet hoffnungsvoll:

ihrke-an-polczynski-2002-2.gif

Doch Konrad Polczynski musste weiter Jahr für Jahr um die Linden kämpfen. Noch im November 2005 schrieb die MOZ über Polczynski:

Sein zähes Ringen um den Schutz der Bäume hatte verhindert, dass die drei Linden am Kirchplatz in Tuchen der Säge zum Opfer fielen.

fachwerkkirche-tuchen-linde.jpg

Mitte November 2006 wurden die drei Linden vom Tuchener Kirchplatz von der biolistic GmbH aus Berlin zu Holzhackschnitzel verarbeitet. Den Auftrag erteilte die Kreisverwaltung Barnim. An ihrer Spitze sitzt immer noch der gleiche Landrat Bodo Ihrke, der inzwischen sogar die Fällung geschlossener Alleen zur Chefsache erklärt hat.

Die Biomassehöfe (welch verlogener Name!) wüten weiter ungehindert entlang unserer Barnimer Alleen. Konrad Polczynski glaubt, dass diese Alleen in zehn bis fünfzehn Jahren völlig verschwunden sein werden.

Ihre schiefe Mauer dürfen die Tuchener behalten, denn niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.

fachwerkkirche-tuchen-linden.jpg
Die drei Linden an der Fachwerkkirche Tuchen im Landkreis Barnim, 12. Dezember 2006

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10 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Über die MOZ erfuhr ich – leider wie so oft – zu spät über die skandalösen Lindenfällungen im schönen historischen Ortskern von Tuchen:
    http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Bernau/id/161548

    Nachfolgend mein offener Brief vom 09.12.06 an die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde Barnim, Frau Solveigh Opfermann, die diese Fällungen völlig gesunder Bäume genehmigt hatte:

    Offener Protest gegen Lindenfällungen in Tuchen

    Durch den Beitrag habe ich erfahren, dass Sie die Genehmigung für die Beseitigung von drei mächtigen Linden im Ort Tuchen erteilt und diese Fällung kürzlich durchgeführt haben. Zu diesem Tatbestand möchte ich, auch in meiner Funktion als Sachkundiger Einwohner des Umweltausschusses, meinen scharfen Protest zum Ausdruck bringen!
    Es kann doch nicht wahr sein, dass Sie den Wert der besagten Feldsteinmauer höher ansiedeln als den ökonomischen, ökologischen und ästhetischen Wert dieser Bäume? Wie konnten Sie dies, auch in Hinblick auf die globale Umweltproblematik, nur verantworten? Es ist unfassbar für mich!
    Meines Erachtens müsste die besagte Feldsteinmauer ohnehin in den nächsten Jahren saniert werden. Dies hätte auch unter der Schonung der Bäume erfolgen können. Gab es denn keine Möglichkeiten mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde Tuchen-Klobbicke, diese Mauer in einer mehrtägigen Aktion zu sanieren? Unfassbar auch für mich, dass die Gemeinde nicht alle Register gezogen hat, die Bäume und damit die Schönheit ihres Ortsbildes zu erhalten.
    In diesem Sinne mit besten Grüßen

    Dr. Andreas Steiner

  2. Schockierend! Diese Behörden bestehen nur aus Schildbürgern!

  3. @Dr. Andreas Steiner: Danke für diesen Brief. Gibt es bereits eine Antwort der Unteren Naturschutzbehörde?

    @Katze: Dein Ärger ist verständlich. Dein letzter Satz schießt aber meines Erachtens über das Ziel hinaus. Deshalb habe ich ihn gestrichen.

  4. Früher – als es noch (mindestens) einen deutschen Rechtsstaat gegeben haben soll – wäre eine Dienstaufsichtsbeschwerde wohl bereits vor der Fällung, spätestens aber nach vollendeter Tat erfolgreich gewesen. Damals haben sich auch Naturschutz-Ortsgruppen für solche Details im Ortsbild interessiert. Und damals suchte der Herr Otto Normalbürger auch nicht mit dem Lineal die Bäumchen im Garten, die demnächst laut Baumschutzordnung einen cm zu mächtig im Stämmchen wären, um sie ohne Behördenkram eben noch rechtzeitig wegmachen zu können. Heute sieht es in Stadt und Dorf eben etwas lichter aus. Am Straßenrand stehen Alleen aus fingerdünnen Ruten, die erst miteinander verflochten so etwas wie Schatten werfen können. In Wohngebieten werden brusthohe Bonsai-Obstbäumchen gerade so noch im Hinterhof geduldet. Und jetzt versucht der Landkreis dem bis 2040 erwarteten Vertrocknen der Schorfheide-Wälder noch mit einer Müllverbrennungsanlage zuvorzukommen. Ich höre die Bürger, Bonzen und Baggerfahrer schon im Chor rufen: „Gott will es!“

    Wenn es wirklich sein fester Wille ist, werden wir in bereits wenigen Jahren hier die Ansiedlung von besser angepassten Völkchen (Jakuten, Mongolen) erleben. Falls wir hier so lange warten. Oder wir sind dank weiterer Reformen irgendwann selbst so billige Arbeitskräfte, dass wir in extensiver Weidewirtschaft Ziegen-, Esel- und Kamelfleisch nach Ostasien exportieren. Wir brauchen schließlich Geld – wenigstens für den importierten Weihnachtsbaum muss es langen!

    Frohes Fest und guten Rutsch ins neue Jahr 2007 wünscht

    Peter Spangenberg

  5. @Karl-Heinz: Eine Antwort habe ich von der Unteren Naturschutzbehörde bislang nicht bekommen. Ich rechne eigentlich auch nicht damit, weil ich sie von Frau Opfermann nicht eingefordert habe.

  6. In der aktuellen Spiegel-Ausgabe gibt es einen ausfürlichen Artikel darüber, warum die Preise für Holzpellets derzeit rasant steigen. Dies führt offensichtlich nicht nur zu Wilderungen in Forsten, sondern zunehmend auch an Strassen und Alleen.

  7. Die MOZ schreibt heute in dem Beitrag „Heimliche Hochzeitshauptstadt“ (http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Bernau/id/165230): „Die Mehrzahl, immerhin 60 Paare, haben sich im Tuchener idyllisch-ländlichen Ambiente das Jawort gegeben.“

    Durch das Absägen der drei mächtigen vitalen Linden nahe der Tuchener Kirche wird diese Idylle wohl mächtig gelitten haben… Werden sich in Zukunft immer noch so viele Hochzeitspaare dort das Ja-Wort geben?

    Es ist schmerzhaft, zu realisieren, wie der Landkreis Barnim an der Demontage seiner touristische Anziehungskraft unentwegt arbeitet! Manch andere Region wäre über diese Juwelen stolz. Doch der Landkreis Barnim wirft seine Perlen vor die Säue!

  8. @Peter: Hallo und willkommen beim Barnim-Blog! Der Fall Tuchen ist glücklicherweise gut dokumentiert. Könnte man fast ein Buch draus machen, griechische Tragödie mit Naturalopfer. Gern werde ich hier weitere Bilder (auch historische) veröffentlichen und die schlimmsten Zitate aus der Behördenpost publik machen. Ich freu mich auf weiteres aus Deiner Feder, und über die EVA werden wir wohl noch öfter hier schreiben.

    @Karsten: Danke für den Hinweis. Habe leider auf Spon nichts gefunden, gibt es da einen Link?

    @Andreas: Bisher kam mir bei Tuchen auch sofort das Wort „Hochzeitskirche“ in den Sinn, und die schönen Konzerte. Jetzt steht Tuchen für einen Akt der Barberei.

    Wenn alle Bäume gefällt sind, werden diese Holzdiebe und ihre Cousins in der Kreisverwaltung merken, dass man mit einer Kreditkarte noch nicht mal eine Bierflasche öffnen kann.

  9. Pingback: Bodo Ihrke und die Lebensqualität im Amt Biesenthal-Barnim « BAR-blog | Wir bloggen den Barnim

  10. Pingback: Ersatzpflanzungen für gefällte Linden in Tuchen erfolgten nicht vor Ort